Der Hund mit dem gelben Herzen

Das Junge Schauspielhaus Zürich spielt unter der Regie von Philippe Besson eine Bühnenfassung des erfolgreichen Kinderbuches «Der Hund mit dem gelben Herzen oder Die Geschichte vom Gegenteil» von Jutta Richter.

Lotta und ihr Bruder Prinz Neumann haben einen Hund gefunden, der «menschisch», «katzisch» und sogar «rattisch» sprechen kann. Dass sie ihn bei sich behalten wollen, darf niemand wissen. Deshalb versorgen sie ihn in einem Schuppen mit Leberwurstbroten, Mandelkuchen, Hähnchenhaut und allem, was ein Hundeherz begehrt. Solch ein Zuhause hat sich der Hund schon lange gewünscht. Als Gegenleistung für diese Streicheleinheiten erzählt er den beiden Jugendlichen die Geschichte vom grossen Erfinder Gustav Ott, respektive G. Ott, respektive Gott, und von Lobkowitz, seinem besten Freund. Diese Geschichte – die zweite Ebene des Stückes – handelt vom Suchen und Finden, vom Erfinden, vom Erschaffen der Menschen.

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Lotta, Prinz Neumann, Hund Foto Christoph R. Schmidt

Zwei Ebenen, zwei Geschichten

Jutta Richter, die selbst Theologin ist, hat ihr erfolgreiches Kinderbuch für die Schweizer Uraufführung neu bearbeitet. Entstanden ist ein eindrückliches Theaterstück für Kinder ab neun Jahren, das als poetisches Märchen, aber auch als philosophische oder religiöse Parabel verstanden werden kann. «Wir müssen es teilen, das Glück. Das Leben, das Licht, die Freude, den Frieden, das müssen wir teilen», fordert G. Ott, nachdem er Fische und Vögel, Schafe und Schnecken, Himmel und Erde erfunden hat, und verweist damit auf die Absicht, die er mit der Schöpfung verbunden hat. Doch im Garten Eden herrscht Rivalität. Wie kann Gott Licht haben, wenn nicht Lobkowitz zuvor Finsternis geschaffen hätte? Der grosse Erfinder macht hier eine böse Erfahrung: Die Menschen, die er als seine Ebenbilder erschaffen wollte, sind derbe, dreiste Kerle, die schliesslich ihn selbst verhöhnen. Deshalb werden sie aus dem Paradies vertrieben. Lobkowitz hat ihnen beizubringen, was Recht und Ordnung ist. Dies aber dauert seine Zeit, bis diese nämlich dem Hund begegnen, der einst ausgehungert und müde von Lotta im Wald gefunden und im Schuppen von ihrem Bruder und ihr gefüttert worden ist – womit das Stück wieder auf der ersten Ebene ankommt.

Eine gelungene Inszenierung

Regie führte Philippe Besson, der bereits in der letzten Spielzeit das Familienstück «Dornröschen oder das Märchen vom Erwachen» am Pfauen inszeniert hatte. Er ist der Sohn von Benno Besson, der in der Nachkriegszeit in Zürich gearbeitet hatte, bis er zusammen mit Bert Brecht nach Berlin umgezogen war. Kunstvoll verschränkt er die beiden Ebenen, die beiden Geschichten. Jene mit Lotta und dem Prinzen, die von Judith Cuénod und Fabian Müller als neugierige, natürliche, sympathische junge Menschenkinder überzeugend gespielt werden. Auf der andern Ebene, in der andern Geschichte sind es Peter Zimmermann als Lobkowitz und Oliver Krättli als Hund und als Gott, die ihren Part voll Dramatik und mit viel Körpereinsatz zum Besten geben. Die Bühne von Karoline Young suggeriert einen zerfallenen Schuppen, einen Ort, wo Altes weggestellt und Neues hergeholt werden kann. Die Musik von Nicolas Dauwalder taucht die Handlung in einen passenden surrealen Klangraum und füllt ihn, zusammen mit der Lichtmaschinerie, mit Action und viel Dramatik.

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G. Ott und Lobkowitz skizzieren ihre Menschen. Foto Christof R. Schmidt

Und G. Ott schafft Menschen nach seinem Ebenbild

Der Schöpfer der neuen Menschen ist Gott, auch in all seinen abgewandelten Namen. Die Geschichte kann philosophisch oder religiös gedeutet werden. «Christianus est semper in fieri» (Der Christ ist immer ein Werdender), sagen die Theologen. Nicht umsonst heisst der zweite Teil des Titels «Die Geschichte vom Gegenteil». Er spricht damit wohl die Tatsache an, dass es keinen Schatten gibt, wenn nicht zuvor Licht da gewesen wäre. Lobkowitz hilft G. Ott bei diesem bipolaren Tun, indem er stets das Gegenteil von dem macht, was dieser tut. Es könnte die traurige Lektion des Stückes oder die traurige Erfahrung der Alltagswirklichkeit sein, dass in der Schöpfung auch mal das Gegenteil von dem entsteht, was beabsichtigt war. Denn die Geschöpfe, die Gottes Abbilder hätten werden sollen, sind hier derbe, dreiste Kerle ohne Anstand, die selbst ihren Schöpfer verhöhnen, weshalb sie aus dem Paradies vertrieben werden. Lobkowitz soll ihnen Vernunft beibringen, bis sie wissen, was Recht und Unrecht ist. Ein Hauch von Pessimismus schwebt, wie ich meine, über allem: Ist der Mensch, der Gottes Abbild hätte werden sollen, vielleicht nicht ganz gelungen? Doch der Hund, die einst geschundene und dann erlöste Kreatur, bleibt weiter auf der Suche nach einem guten Ende, dem wirklichen Happy End.

Weitere Informationen

Weitere Aufführungen sind am 7, März um 19 Uhr, am 8. März um 14 Uhr, am 10. März um 10 Uhr, am 12. und 13. März um 14 Uhr, am 14. März um 10 Uhr, am 15. März um 14 Uhr, am 16. März um 19 Uhr und am 17. März um 19 Uhr.

Wettbewerb für Seniorweb-Leserinnen und -Leser: 5 Freikarten für Enkelkinder

Da «Der Hund mit dem gelben Herzen» meist ausverkauft ist, bietet das Junge Schauspielhaus für Seniorweb-Leserinnen und -Leser die Möglichkeiten, «Hinter dem Bahnhof liegt das Meer» derselben Autorin vergünstigt zu besuchen. Es wird in der Box des Schiffbaus am 28. März um 10 Uhr, am 29. März um 10 und 14 Uhr sowie am 30. März um 10 und 19 Uhr gespielt. Möchten Sie dabei sein, dann schicken Sie eine E-Mail an silke.slevogt@schauspielhaus.ch. Die ersten 5 Einsendungen erhalten für je 1 Enkelkind einen Gratiseintritt, wenn ein Grosselternteil an der Kasse für sich den regulären Preis von Fr. 30.- bezahlt. Erwähnen Sie in der E-Mail den gewünschten Termin. Die Gewinner werden per Mail informiert, die Karten an der Kasse hinterlegt. Über den Wettbewerb ist keine Korrespondenz möglich.

Das Junge Schauspielhaus Zürich spielt unter der Regie von Philippe Besson eine Bühnenfassung des erfolgreichen Kinderbuches «Der Hund mit dem gelben Herzen oder Die Geschichte vom Gegenteil» von Jutta Richter.

Lotta und ihr Bruder Prinz Neumann haben einen Hund gefunden, der «menschisch», «katzisch» und sogar «rattisch» sprechen kann. Dass sie ihn bei sich behalten wollen, darf niemand wissen. Deshalb versorgen sie ihn in einem Schuppen mit Leberwurstbroten, Mandelkuchen, Hähnchenhaut und allem, was ein Hundeherz begehrt. Solch ein Zuhause hat sich der Hund schon lange gewünscht. Als Gegenleistung für diese Streicheleinheiten erzählt er den beiden Jugendlichen die Geschichte vom grossen Erfinder Gustav Ott, respektive G. Ott, respektive Gott, und von Lobkowitz, seinem besten Freund. Diese Geschichte – die zweite Ebene des Stückes – handelt vom Suchen und Finden, vom Erfinden, vom Erschaffen der Menschen.

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Lotta, Prinz Neumann, Hund Foto Christoph R. Schmidt

Zwei Ebenen, zwei Geschichten

Jutta Richter, die selbst Theologin ist, hat ihr erfolgreiches Kinderbuch für die Schweizer Uraufführung neu bearbeitet. Entstanden ist ein eindrückliches Theaterstück für Kinder ab neun Jahren, das als poetisches Märchen, aber auch als philosophische oder religiöse Parabel verstanden werden kann. «Wir müssen es teilen, das Glück. Das Leben, das Licht, die Freude, den Frieden, das müssen wir teilen», fordert G. Ott, nachdem er Fische und Vögel, Schafe und Schnecken, Himmel und Erde erfunden hat, und verweist damit auf die Absicht, die er mit der Schöpfung verbunden hat. Doch im Garten Eden herrscht Rivalität. Wie kann Gott Licht haben, wenn nicht Lobkowitz zuvor Finsternis geschaffen hätte? Der grosse Erfinder macht hier eine böse Erfahrung: Die Menschen, die er als seine Ebenbilder erschaffen wollte, sind derbe, dreiste Kerle, die schliesslich ihn selbst verhöhnen. Deshalb werden sie aus dem Paradies vertrieben. Lobkowitz hat ihnen beizubringen, was Recht und Ordnung ist. Dies aber dauert seine Zeit, bis diese nämlich dem Hund begegnen, der einst ausgehungert und müde von Lotta im Wald gefunden und im Schuppen von ihrem Bruder und ihr gefüttert worden ist – womit das Stück wieder auf der ersten Ebene ankommt.

Eine gelungene Inszenierung

Regie führte Philippe Besson, der bereits in der letzten Spielzeit das Familienstück «Dornröschen oder das Märchen vom Erwachen» am Pfauen inszeniert hatte. Er ist der Sohn von Benno Besson, der in der Nachkriegszeit in Zürich gearbeitet hatte, bis er zusammen mit Bert Brecht nach Berlin umgezogen war. Kunstvoll verschränkt er die beiden Ebenen, die beiden Geschichten. Jene mit Lotta und dem Prinzen, die von Judith Cuénod und Fabian Müller als neugierige, natürliche, sympathische junge Menschenkinder überzeugend gespielt werden. Auf der andern Ebene, in der andern Geschichte sind es Peter Zimmermann als Lobkowitz und Oliver Krättli als Hund und als Gott, die ihren Part voll Dramatik und mit viel Körpereinsatz zum Besten geben. Die Bühne von Karoline Young suggeriert einen zerfallenen Schuppen, einen Ort, wo Altes weggestellt und Neues hergeholt werden kann. Die Musik von Nicolas Dauwalder taucht die Handlung in einen passenden surrealen Klangraum und füllt ihn, zusammen mit der Lichtmaschinerie, mit Action und viel Dramatik.

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G. Ott und Lobkowitz skizzieren ihre Menschen. Foto Christof R. Schmidt

Und G. Ott schafft Menschen nach seinem Ebenbild

Der Schöpfer der neuen Menschen ist Gott, auch in all seinen abgewandelten Namen. Die Geschichte kann philosophisch oder religiös gedeutet werden. «Christianus est semper in fieri» (Der Christ ist immer ein Werdender), sagen die Theologen. Nicht umsonst heisst der zweite Teil des Titels «Die Geschichte vom Gegenteil». Er spricht damit wohl die Tatsache an, dass es keinen Schatten gibt, wenn nicht zuvor Licht da gewesen wäre. Lobkowitz hilft G. Ott bei diesem bipolaren Tun, indem er stets das Gegenteil von dem macht, was dieser tut. Es könnte die traurige Lektion des Stückes oder die traurige Erfahrung der Alltagswirklichkeit sein, dass in der Schöpfung auch mal das Gegenteil von dem entsteht, was beabsichtigt war. Denn die Geschöpfe, die Gottes Abbilder hätten werden sollen, sind hier derbe, dreiste Kerle ohne Anstand, die selbst ihren Schöpfer verhöhnen, weshalb sie aus dem Paradies vertrieben werden. Lobkowitz soll ihnen Vernunft beibringen, bis sie wissen, was Recht und Unrecht ist. Ein Hauch von Pessimismus schwebt, wie ich meine, über allem: Ist der Mensch, der Gottes Abbild hätte werden sollen, vielleicht nicht ganz gelungen? Doch der Hund, die einst geschundene und dann erlöste Kreatur, bleibt weiter auf der Suche nach einem guten Ende, dem wirklichen Happy End.

Weitere Informationen

Weitere Aufführungen sind am 7, März um 19 Uhr, am 8. März um 14 Uhr, am 10. März um 10 Uhr, am 12. und 13. März um 14 Uhr, am 14. März um 10 Uhr, am 15. März um 14 Uhr, am 16. März um 19 Uhr und am 17. März um 19 Uhr.

Wettbewerb für Seniorweb-Leserinnen und -Leser: 5 Freikarten für Enkelkinder

Da «Der Hund mit dem gelben Herzen» meist ausverkauft ist, bietet das Junge Schauspielhaus für Seniorweb-Leserinnen und -Leser die Möglichkeiten, «Hinter dem Bahnhof liegt das Meer» derselben Autorin vergünstigt zu besuchen. Es wird in der Box des Schiffbaus am 28. März um 10 Uhr, am 29. März um 10 und 14 Uhr sowie am 30. März um 10 und 19 Uhr gespielt. Möchten Sie dabei sein, dann schicken Sie eine E-Mail an silke.slevogt@schauspielhaus.ch. Die ersten 5 Einsendungen erhalten für je 1 Enkelkind einen Gratiseintritt, wenn ein Grosselternteil an der Kasse für sich den regulären Preis von Fr. 30.- bezahlt. Erwähnen Sie in der E-Mail den gewünschten Termin. Die Gewinner werden per Mail informiert, die Karten an der Kasse hinterlegt. Über den Wettbewerb ist keine Korrespondenz möglich.